Jugend forscht
  09.09.2021 •     BSP Stuttgart Beach , Beachvolleyball , Leistungssport


Beachvolleyball: Trotz Vorrunden-Aus ist die erste Teilnahme von Paula Schürholz vom Bundesstützpunkt Stuttgart bei den Deutschen Meisterschaften der Aktiven ein Erfolgserlebnis.

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Sie ist die Jüngste im Teilnehmerfeld der Deutschen Meisterschaften 2021 in Timmendorfer Strand: Paula Schürholz, 19 Jahre alt, Beachvolleyballerin des Bundesstützpunktes in Stuttgart. Und damit setzt sie aus einen Trend fort. Im Alter von fünf Jahren wurde sie bereits eingeschult und war fortan immer die Jüngste ihrer Klasse. Mit 17 machte sie bereits ihr Abitur. „Ich bin keine Einser-Kandidatin, aber ich wußte halt, wie man sich gut durchschlägt in der Schule“, sagt Paula Schürholz und lacht. Das kann man auch über ihre Karriere im Volleyball sagen.

Einst nahm sie eine Freundin mit ins Training. „Aber ich war echt schlecht und hatte nach einer Weile auch keine große Lust mehr“. Doch dann kam ein Familienurlaub auf Borkum. Und die Eltern, sportlich vorgeprägt mit Rhythmischer Sportgymnastik (Mutter) und Volleyball, aber vor allem Tennis (Vater), meldeten die Tochter für ein Beachvolleyball-Camp an. Dem Spaß im Sand folgte der Spaß mit dem Ball. „Ich hab viel gelernt und das hat mich angetrieben“, sagt Schürholz, die im Alter von 13 Jahren bereits im Landeskader stand, und mit 14 dann den ersten großen Schritt wagte: Umzug ins Volleyball-Internat nach Münster. Dort ackerte sie drei Jahre lang in der 3. Liga für den VC Olympia Münster, wurde zur Jugendnationalspielerin und im deutschen Trikot 2017 Siebte bei den U17-Europameisterschaften in Bulgarien. 

2019, nach dem Abitur, folgte der nächste Karrieresprung: Umzug nach Stuttgart zum Bundesstützpunkt im Cannstatter NeckarPark. Beginn des Studiums (Wirtschaftspsychologie an der Hochschule für Technik) als 17-Jährige sowie Konzentration der sportlichen Aktivitäten komplett auf Beachvolleyball.  Mit den Bundesnachwuchstrainern Jörg Ahmann, Alexander Prietzel und dessen Nachfolger Tobias Rex ging es dabei auch zu Deutschen Nachwuchsmeisterschaften. Bei den U18-, U19- und U20-Meisterschaften holte die 1,81 Meter große Abwehrspezialistin sich 2019 dreimal Silber, bis im vergangenen Jahr die Goldmedaille heraussprang –  als 19-Jährige bei den Deutschen U20-Meisterschaften, gemeinsam mit Iane Henke. 

Die Saison 2021 begann allerdings mit einer schweren Sprunggelenksverletzung ihrer Partnerin Lina Hesse vom Bundesstützpunkt Berlin. „Und so habe ich nacheinander viele Spielerinnen durchprobiert“, sagt Schürholz, bis sie mit Hanna-Marie Schieder vor zwei Wochen beim A+-Turnier in Osnabrück quasi in letzter Sekunde plötzlich soviel Ranglistenpunkte gesammelt hatte, dass die beiden ins 16er-Feld der Deutschen Meisterschaften gerutscht sind. Selbstverständlich ist die erste „DM“ für die ehrgeizige Athletin nur ein weiterer Etappenschritt.  „Es wäre vermessen, zu sagen, ich will mal nach Olympia. Aber in die Richtung soll es schon gehen. Ich will Profi werden, ich will international spielen. Und wer weiß, vielleicht klappt es dann auch mal mit Olympia.“ 

Mit großen Augen stand die 19-Jährige dann plötzlich auf dem Center Court der berühmt-berüchtigen Ahmann-Hager-Arena, die jedes Jahr imposant in den Ostseesand von Timmendorfer Strand gesetzte temporäre Beachvolleyball-Arena. 

One, two, Barbecue – Nach zwei Spielen waren die ersten „Deutschen“ der Aktiven für Schürholz/Schieder aber auch schon wieder vorbei. Ausgerechnet gegen die an Eins gesetzten Karla Borger/Julia Sude mussten die Nachwuchsspielerinnen als erstes ran, ein übermächtiger Gegner. „Vor zwei Wochen habe ich noch gemeinsam mit Karla am Olympiastützpunkt in Stuttgart trainiert“, sagt Paula Schürholz nach der Niederlage, die mit 0:2 (11:21, 12:21) erwartet deftig ausfiel. Auch das zweite Vorrundenmatch endete ohne einen Satzgewinn. Gegen die an Sieben gesetzten Christina Aulenbrock/Sandra Ferger gab es die zweite, deutlich knappere, 0:2-Niederlage (22:24, 17:21). Und trotz des Ausscheidens überhaupt kein Bedauern. „Wir sind sehr gut als Team aufgetreten, haben für tolle Ballwechsel gesorgt und haben uns gut verkauft.“ Sie sah sogar deutliche Fortschritte, denn in beiden Auftritten waren die Teamleistungen weniger schwankend als in den Turnieren zuvor. Und so genoß sie die einzigartige Atmosphäre von Timmendorfer Strand, wo schon seit 1993 die Deutschen Meisterschaften ausgetragen werden, im weiteren Verlauf als Zuschauerin. 

Ihre Eltern waren dabei, Schwester Ella (10) hat sogar extra schulfrei bekommen, um ihre große Schwester anzufeuern. Und überhaupt: „Hätte mir vor der Saison jemand gesagt, ich würde in Timmendorf spielen, dann hätte ich dieser Person den Vogel gezeigt.“