WM-Gold für Ludwig/Walkenhorst
  07.08.2017 •     Beachvolleyball , Verband


Laura Ludwig und Kira Walkenhorst gewinnen Gold bei der Beach-Volleyball-Weltmeisterschaft in Wien. Und es ist derzeit kein Team in Sicht, dass sie auf längere Zeit dabei aufhalten könnte, weiter Titel um Titel zu sammeln.

Wenn der Sekt von der Medaille tropft
Wie zwei Teenager freuten sich Laura Ludwig und Kira Walkenhorst auf die überdimensionale Sektflasche, die sie vom Veranstalter in die Hand gedrückt bekamen. Sie schüttelten gemeinsam, der Korken knallte und flog meterweit auf den heißen Sand des Center Courts der Beach-Volleyball Weltmeisterschaft in Wien.

Sie gossen sich den Sekt gegenseitig über die Köpfe, später tropfte er noch leicht von den Goldmedaillen, die den neuen Weltmeisterinnen um den Hals baumelten. Ludwig und Walkenhorst haben in Wien den einen Titel geholt, der ihnen noch fehlte in ihrer eh schon beeindruckenden Sammlung von Medaillen und Trophäen.

Im Finale brauchte es dafür allerdings eine echte, Kraft-, Energie- und Teamleistung, um nach verlorenem ersten Durchgang das Spiel gegen April Ross und Lauren Fendrick aus den USA noch mit 2:1 (19:21, 21:13, 15:9) zu gewinnen. Es war ein absolut würdiges Finale, das den Zuschauern Spannung, lange Ballwechsel und glückliche deutsche Sieger bot. „Es ist unglaublich, was wir erreicht haben. Es ist definitiv unser Team, dass uns zu solchen Leistungen fähig macht. Und es sind wir, die immer besser ins Turnier gekommen sind“, sagte Ludwig.

Nach Startproblemen dominant
Die Olympiasiegerinnen hatten Probleme, in dieses Spiel zu kommen, ließen sich zwar nicht abschütteln, waren aber auch nicht in der Form, die sie in Wien schon gezeigt hatten: Ein Aufschlagfehler von Ludwig (19:20) brachte den ersten Satzball für die US-Amerikanerinnen, den Ross direkt mit einem Ass auch nutzte (19:21). In Satz zwei starteten die Deutschen erneut nicht gut, ein Block von Fendrick gegen Walkenhorst markierte das 0:2 – doch im Laufe des Satzes zahlte es Walkenhorst dreifach zurück, sammelte drei Blockpunkte bis zum 21:13-Satzgewinn.

Schon im zweiten Satz zeichnete sich ab, was sich im Tiebreak bestätigen sollte: Nach einem Zwischenspurt mit starker Block- und Abwehrarbeit eilten sie auf 11:7 davon – die Vorentscheidung in diesem spannenden Finale, das Kira Walkenhorst nach einer beinahe lässigen Poke-Abwehr mit einem krachenden Angriff beendete.

„Letztlich hat unsere größere Qualität, als wir den Rhythmus hatten, in allen Elementen, u.a. im Aufschlag, den Ausschlag gegeben. Das Wichtigste ist, das gesamte Team hat eine Top-Leistung erbracht, nur so konnte eine solche Leistung und ein solches Ergebnis herauskommen“, sagte Trainer Jürgen Wagner.

Eine bleibende Ära
352 Tage, nachdem sie bei den Olympischen Spielen Gold gewonnen haben, holten Ludwig und Walkenhorst schon wieder einen Titel, ohne auch nur ein Spiel zu verlieren. Und das, obwohl das Team im Vorfeld mit allerlei Widrigkeiten in Form von Verletzungen zu kämpfen hatte. Weil sie im Vorjahr Europameisterinnen wurden, olympisches Gold gewannen und jetzt auch WM-Gold, darf man getrost sagen: Laura Ludwig und Kira Walkenhorst haben eine bleibende Ära im Beach-Volleyball begründet.

Es ist die Art und Weise des Spiels, die sie derzeit anscheinend unerreichbar für ihre Gegnerinnen von Triumph zu Triumph eilen lässt: Dieses konstante Sideout-Spiel nahe der technischen Perfektion, eine beeindruckende Athletik und nicht zuletzt die unzähligen taktischen Varianten im Aufschlag und der dazugehörigen Block-Feldabwehr, mit der sie sich ihre Gegnerinnen zurechtlegen.

Sie gewinnen nicht einfach, sie dominieren Spiele und Turniere. Und es ist derzeit kein Frauenteam in Sicht, dass sie auf längere Zeit dabei aufhalten könnte. Es sind höchstens die eigenen Körper, die sie dem harten Training unterziehen, und die ihnen vor allem im bisherigen Saisonverlauf Grenzen aufzeigten.

Das Team tut dem Beach-Volleyball gut
Dennoch sind sie Weltmeisterinnen geworden und sportlich ist dieses WM-Gold von Wien noch höher einzuschätzen als der Olympiasieg im vergangenen Jahr: Denn im 48 Teams umfassenden Teilnehmerfeld gibt es im Gegensatz zu den Olympischen Spielen eine lockere Länderbeschränkung, heißt: Starke Beach-Nationen wie Brasilien, die USA und Deutschland können bis zu vier Teams stellen. Und diese stellten in Wien auch das Podium: Bronze für Larissa/Talita (Brasilien), Silber für Fendrick/Ross (USA) und Gold für die Deutschen Ludwig und Walkenhorst.

Wie gut dieses Team dem Beach-Volleyball an sich tut, zeigte auch wieder die WM in Wien: Im Laufe des Turniers und ihrer Karriere haben sie sich so viele Sympathien erspielt, dass sie sich im Endspiel zu Hause fühlen durften: Als April Ross und Lauren Fendrick vom Stadionsprecher auf das Feld gebeten wurden, gab es allenfalls höflichen Applaus. Laura Ludwig und Kira Walkenhorst wurden vom Lärm und Jubel der 10.000 Zuschauern förmlich auf den Court getragen. Und die haben es mit einem fantastischen Endspiel und knallenden Korken zurückgegeben.